Gorak Shep–Kala Pattar–Dingboche
Gorak Shep–Kala Pattar
Dieser Tag sollte uns auf den höchsten Punkt der Reise bringen. Kala Pattar, 5.550 m hoch. Am Abend vorher sagte uns Jens, dass ihn seine Kopfschmerzen an der Besteigung hinderten.
Einmal mehr begann der Tag früh. Es war noch finster, als Tek und ich durch die Haustür gingen. Eines der Pferde stand quer vor dem Eingang. Schwarz wie es war, war es im Dunkeln kaum zu erkennen. Nach dieser Überraschung ging es über den Boden eines ausgetrockneten Sees. Nach dem Seeboden führten Steigspuren nach oben.
Bei dieser Gelegenheit schaute Tek dramatisch ins Nirgendwo und bat mich um meinen Rucksack. Offenbar war er nicht an Einwänden und Diskussionen interessiert. Deshalb gab es von mir keine Widerworte oder Einwände, und ich war mein Gepäck los. Tek legte ein ordentliches Tempo vor. So schnell wie möglich, aber doch so langsam, dass ich nicht ins schnaufen kam. Schnell gewannen wir an Höhe. Offenbar waren wir die letzten der Frühschicht
, keine Trekker gingen hinter uns, wohl aber war vor uns der Schein etlicher Stirnlampen auszumachen.
Ungefähr bei der Hälfte des Aufstiegs wurde der Hang flacher, das Gelände wirkte wie eine Terrasse. Es tat sich was am Himmel. Hinter dem Mt. Everest verfärbte sich der Himmel, und die Schneefahnen am Gipfel leuchteten im Gegenlicht rot auf. In den Tälern waren Wolken zu erkennen. Der Mt. Everest war ein großer, ungeschlachter Klotz. An der Ama Dablam war zu sehen, wie die Sonne wanderte.
Kurz vor dem Gipfel holten wir die anderen ein. Unmittelbar unter dem Gipfelblock warf jeder seinen Rucksack ab und schaute in die Runde. Nacheinander konnte jede Gruppe zum höchsten Punkt für das Gipfelfoto.
Mein eigenes Befinden war etwas zwiespältig. Ich vergaß mir die lange Unterhose anzuziehen und musste dafür büßen – es war kalt! Während des Aufstiegs wackelte ich bei jedem Schritt mit den Zehen, aber während der Rast fehlt eben die Anstrengung um Abwärme zu produzieren.
Immerhin hatte ich keine Kopfschmerzen und konnte das Panorama genießen. Einmal mehr blieb meine Auge an den vielen kleineren
Bergen hängen. Der Mt. Everest, er war mir von Fotos bekannt, so viele Bücher hatte ich verschlungen, dass von der Aussichtsloge Kala Pattar nichts Neues zu entdecken war. In mir war die Freude über das erreichte Ziel und gleichzeitig auch die traurige Gewissheit, dass es von nun an nur bergab geht. Wegen der Kälte blieben wir nicht lange.
Der Abstieg ging leicht und schnell dahin. In der Lodge gab es dann eine Überraschung: Tek hatte für unser Geburtstagskind Jens einen Kuchen bestellt und von Michael ein Geschenk mit bekommen. Mit der Wirtin ließen wir es uns schmecken, und Jens gefiel es sichtlich. Nach der Feier brachen wir dann auf, es ging talwärts.
Gorak Shep–Dingboche
Auf einem Moränenhügel nutzten wir die letzte Möglichkeit, den unglaublichen Talschluss um den Khumbu Glacier noch einmal in uns aufzunehmen. Weiter unten, am Dughla Pass, verließen wir das vergletscherte Hochgebirge. Kurz drauf erlebten wir in einer Lodge, was sich in dieser Region während der Hochsaison abspielt. Es war unglaublich voll und der Einfachheit halber bestellten wir einheitlich Dal Bhat. Es sollte nicht kompliziert und langwierig werden.
Der Weiterweg nach Dingboche verlief über eine Terasse hoch über dem Talboden. Winzig klein lag Pheriche unter uns, wir konnten die Häuser und die Einfassungen der Äcker erkennen. Es kamen Wolken auf, ein böiger Wind wehte. Nach einer Geländekante sahen wir Dingboche und stiegen in den Ort ab. Nach den letzten Tagen kam man sich hier, trotz der 4.400 m Höhe, schon wieder wie im Tal vor. Lobuche und Gorak Shep waren durch die Höhe schon recht anstrengend, nun fühlte ich mich leicht und unbeschwert. Zeit, mal wieder zu duschen! Diese Leichtigkeit
hielt bis zum Abendessen an. Dann sorgte ein sehr scharf gewürztes Essen – Tek sah mich nach Luft schnappen und wollte mir schon ein anderes Gericht bringen – und eine britische Reisegruppe für Abwechslung. Mit schierer Lautstärke und einem wohl immer passenden f…cking great
drückten sie dem Abend ihren Stempel auf. Eine britische Familie verließ den Gastraum jedenfalls sobald das Essen eingenommen war.










