Lobuche–Everest Base Camp
Lobuche–Gorak Sheep
Der heutige Marsch brachte überraschende Eindrücke. Gleich zu Beginn überholte uns eine Gruppe Trekker im Eiltempo, um dann ein paar Ecken weiter ratlos stehen zu bleiben. Einer von ihren ließ sich mit zitternden Händen von seinem Guide Diamox gegen die Höhenkrankheit geben. Kurz darauf kam eine junge Frau gerade rechtzeitig zurück, als ihr Partner wieder bergab getragen wurde. Dieses Stück Weg heißt nicht zu unrecht Everest-Highway
, die sanfte Steigung und die vielen Begleiter verführen zum Wettrennen weit über den eigenen Möglichkeiten. Besser ist es sich an Spielregeln zu halten:
- Geh langsamer als du kannst.
- Verlege die Übernachtungshöhe nur um 400 Höhenmeter pro Nacht nach oben.
- Gönne dir alle drei Tage mit Höhengewinn einen zusätzlichen Tag für die Anpassung.
- Schlafe immer niedriger als die maximal erreichte Höhe.
Stattdessen waren Jens und ich mit einer Gruppe junger Israelis unterwegs, überholten uns immer wieder gegenseitig und bewunderten die Lawinen, die sich von den Seracs der Nuptsewände lösten. Berührt hat mich der Blick über den westlich des Mt. Everests gelegenen Passes Lho La nach Tibet hinein. Vielleicht liest es sich komisch, ist aber so: Mir kam China immer unendlich weit entfernt vor, jetzt stehe ich an der chinesischen Grenze. Wenig später tauchte Gorak Shep auf, was wir uns als Tagesziel vorgenommen hatten. Auf 5.140 m angelangt hatten wir Zeit für ein frühes Lunch und Nickerchen.
.
Die Höhe macht alles so anstrengend, sogar das Fotografieren – durch den Sucher schauen, den Bildausschnitt festlegen, auslösen und dann nach Luft schnappen, während das Brummen im Kopf abklingt. Wieviel Sauerstoff doch die grauen Zellen im Kopf einem abverlangen, wenn es an Luft fehlt!
Gorak Shep–Everest Base Camp
Der Nachmittag sah uns dann auf dem Weg zum Abenteuercamp. Es ging die ganze Zeit über kleine Hügel durch die Moränenlandschaft. Leider wurde Jens von so starken Kopfschmerzen gequält, dass er lieber pausieren und nach Gorak Shep absteigen wollte. Irgendwann erreichten Tek und ich das Basislager. Ich fühlte mich in einem Talkessel, der mit Übertreibungen nur so protzte. Angesichts der umstehenden Berge und Eisbrüche war klar: Das Ziel ist erreicht. Es geht für Trekker nicht mehr weiter, sondern nur zurück.
Es tat mir leid, dass Jens das geplante Ziel der Reise nicht erreichen konnte. Andererseits, woher kommt ein Ziel? Stammt es aus einem Reisekatalog oder aus eigenen Bedürfnissen? Und müssen die eigenen Bedürfnisse immer gleich bleiben oder dürfen sie sich ändern?
Mit etwas Abstand weiß ich, was er verpasst hat: Nicht viel. Die Landschaft war schon in Gorak Shep großartig, das war eh nicht zu steigern. Es kam nur der Blick über den Bruch des Khumbu Glaciers hinzu.
Ich kann mich an Situationen in den Alpen erinnern, die mich ähnlich bewegten wie das Basislager des Mt. Everest. Das Oberreintal bei Garmisch Patenkirchen, als während eines Gewitters Wasserfälle durch die Rinnen schossen. Oder der Gipfel des Großglockners an einem schönen Sommertag nach einer Woche Schneefall. Die Intensität eines Erlebnisses hat eben nichts mit der bloßen Höhe zu tun. Wichtig ist das Unterwegssein, die Anstrengung und ein bisschen Ungewissheit. Faszinierend war auf alle Fälle der spitze Kegel des Pumori, auch die vielen kleinen Eistürme und Seen auf dem Gletscher.
Toll war es mit Tek zusammen hier anzukommen und für die Fotos zu posen. Das hat Spaß gemacht!
Auf dem Rückweg nach Gorak Shep kam ich mir selber so unendlich langsam vor, als ob ich alle anderen auf schmalen Wegen aufhalte. Wenn ich mir dann über die Schulter schaute, erkannte ich, dass es den anderen genauso ging. Dann konnte ich auch langsamer werden, noch langsamer, und dann verschwand das Brummen im Kopf und die latente Übelkeit.
Der Abend brachte unmittelbar vor dem Dinner ein Wolkenloch, gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Ein Glücksfall, trotz des Wetters diese Sicht für Minuten zu haben oder ein Riesenpech nicht am Nachmittag zum Kala Pattar aufgestiegen zu sein? In Wirklichkeit vielleicht nur eine Aufforderung, noch einmal hierher zu kommen!











Mahlzeit, ich bin mal so frei und schreibe mal was auf deiner Seite. Sieht schoen aus! Ich beschaeftige mich auch seit kurzem mit WordPress verstehe aber noch nicht alles. Deine Seite ist mir da immer eine grosse Inspiration. Weiter so!